Online-Lernen. Das WIFI Tirol ist in den vergangenen Wochen zum führenden Bildungsinstitut für digitales Lernen geworden. Die Erfahrungen haben auch nach Corona Bestand und bieten attraktive Möglichkeiten für Betriebe und KursteilnehmerInnen.

Corona hat auch die Aus- und Weiterbildung verändert. Das WIFI Tirol hat diese Chance genutzt und ist mittlerweile das führende österreichische Erwachsenenbildungsinstitut im Bereich Online-Lernen. Das WIFI deckt die gesamte Bandbreite ab und bietet Live-Online-Kurse, begleitete Online-Kurse oder Sofort-Online-Kurse.

Live-Online-Kurse

Live-Online Kurse sind am ehesten mit Präsenzkursen vergleichbar. Die Lehrinhalte werden in virtuellen Lernräumen von WIFI TrainerInnen der Gruppe live vermittelt. Es besteht die Möglichkeit, interaktiv teilzuhaben, Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

Sofort-Online-Kurse

Als zweite Variante sind am WIFI Tirol eine Vielzahl an Sofort-Online-Kursen verfügbar, die jederzeit abrufbar sind und deren Inhalte von den TeilnehmerInnen ohne Trainer-Support selbst erarbeitet werden.

Begleitete Online-Kurse

Die dritte Möglichkeit, begleitete Online-Kurse, stellt eine Kombination aus den ersten beiden Varianten dar: Teilnehmer erarbeiten aus aufgezeichneten Online-Kursen bzw. Online-Lernvideos die Inhalte, ein Teil der Lehreinheiten findet aber in virtuellen Lernräumen mit WIFI Trainern statt, die Fragen beantworten oder Lernfortschritte überprüfen.

Speziell die ersten Tage und Wochen der Corona-Krise waren für das gesamte Team am WIFI eine große Herausforderung. Die Umstellung vom Präsenz- auf das Online-Kursprogramm musste aufgrund des kurzfristig verordneten Shutdowns innerhalb weniger Tage erfolgen.

Es galt, die entsprechende Schnittstelle zu programmieren, die WIFI Mitarbeiter und Trainer einzuschulen, eine Support-Struktur aufzubauen und bestehende Kursdesigns für den Online-Einsatz zu adaptieren. In den letzten Wochen wurden rund 3.600 Online-Veranstaltungen durchgeführt.

Auch für Betriebe bietet sich durch das WIFI Online-Lernangebot eine interessante Möglichkeit, rasch verfügbare, individuelle Online-Schulungsprogramme zur internen Weiterbildung zu verwirklichen. Die Online Lernangebote des WIFI sind zum Teil auch für die Bildungskarenz zugelassen und bieten aktuell eine attraktive Alternative zur Kurzarbeit.

„Die Experten des WIFI haben sich einen Wissensvorsprung erarbeitet, den sie mit den heimischen Betrieben teilen bzw. diesen anbieten, um Bildungsmaßnahmen maßgeschneidert für sie abzuwickeln“, erklärt WIFI-Institutsleiter Paul Vyskovsky.

Digitales Lernen aus dem Blickwinkel der Strategen und Umsetzer

Rene Mühlbacher und Stefan Koler sind am WIFI Tirol verantwortlich und zuständig für Innovation, Didaktik und die Weiterentwicklung des digitales Lernens. Sie wissen, worauf es bei digitalem Lehren und Lernen ankommt. Die beiden zentralen Herausforderungen liegen im technisch-organisatorischen und im didaktischen Bereich.

Zunächst geht es im infrastrukturtechnischen Bereich darum, die Webinar-Tools gezielt auszuwählen und damit die Faktoren Usability (Lernkurve), Stabilität und Funktionalität in Hinblick auf den Teilnehmerkreis optimal auszurichten. „Die Durchführung eines einzelnen Seminars ist einfach, aber die Abwicklung einer Vielzahl von Veranstaltungen stellt eine große organisatorische Herausforderung dar. Trainer und Teilnehmer müssen rechtzeitig die richtigen Zugangsdaten zum virtuellen Klassenzimmer erhalten, aus wirtschaftlichen Gründen gilt es effizient mit Lizenzen zu verfahren und die Aufzeichnungen den Teilnehmern auf der WIFI Lernplattform zur Verfügung zu stellen. Das muss bestmöglich automatisiert erfolgen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten“, erklärt Stefan Koler.

Natürlich benötigen auch die Trainer entsprechende Einschulungen und die technischen Voraussetzungen. „Die Einschulungen haben wir am Sonntag vor dem Shutdown mit 230 TrainerInnen durchgeführt“, ergänzt René Mühlbacher.

Dazu kommen didaktische Anforderungen, die sich von der Wissensvermittlung in Präsenzkursen unterscheiden. Das Kursdesign muss an das neue Medium und die neue Lernsituation angepasst werden und die Trainer benötigen digitale Grundkompetenzen und Wissen um Verhaltensregeln im digitalen Kursraum.

„Das ist keine Frage des Alters. Auch über 75-jährige Trainer haben in den letzten Wochen gekonnt Online-Kurse durchgeführt“, betont René Mühlbacher.

Digitales Lehren aus dem Blickwinkel einer Trainerin

Victoria Rausch ist WIFI-Mitarbeiterin und kennt als Trainerin die Anforderungen des digitalen Lehrens aus ihrer eigenen Praxis. „Online Trainings stellen Trainer vor ganz neue Herausforderungen – besonders, wenn man gewohnt ist, im Präsenzunterricht offen und direkt mit den Teilnehmern zu agieren“, erklärt Rausch.

Nach einer Umstellungsphase wurde der Trainerin schnell klar, dass für Online-Trainings interaktive Lernkonzepte von Grund auf entworfen werden müssen. Mit diesen technischen und didaktischen Möglichkeiten eröffnen sich ganz neue Chancen, um noch mehr Menschen abzuholen und einzubinden.

Victoria Rausch ist sich sicher: Wir alle haben zwangsläufig einen riesigen Entwicklungssprung in der Digitalisierung gemacht. Online-Veranstaltungen bieten aus ihrer Sicht bei großen Teilnehmerzahlen mit geringen Anforderungen an die Interaktion den größten Vorteil. Dazu gehören auch Informationsveranstaltungen und Vorträge. Einzig bei Themen mit hohem Praxisbezug stößt digitales Lernen an natürliche Grenzen.