Unsere Welt wird immer lauter, die Bevölkerung immer älter. Die Folge: Immer mehr Menschen leiden im Lauf ihres Lebens an einer Beeinträchtigung des Hörvermögens. Hörakustik-Fachkräfte werden daher dringend gebraucht. Diese werden in der WIFI-Akademie für Hörakustik ausgebildet.

„Früher nahmen nur sehr wenige Menschen die Hilfe von Hörgeräteakustikern in Anspruch“, erzählt Arne Israel, Leiter der WIFI-Akademie für Hörakustik. Sie zogen es vor, mit ihrer Hörbeeinträchtigung zu leben. Denn Hörgeräte galten als hässlich, klobig, kompliziert zu bedienen und etwas, das nur alte Menschen benötigen. Diese Einstellung habe sich zwar geändert, doch nach wie vor ist nur jeder zweite Schwerhörige mit einem Hörgerät ausgestattet.

Der technologische Fortschritt hat auch vor der Hörakustik-Branche nicht Halt gemacht. Moderne Hörgeräte sind ausgesprochen leicht zu benutzen. Neben kleinen, unauffälligen Modellen gibt es auch besonders farbenfrohe, die als modisches Accessoire getragen werden. Die Geräte werden mittels Fernbedienung oder Smartphone gesteuert und an die jeweilige Hör-Situation angepasst: das Outdoor-Programm eliminiert Straßenlärm und Windgeräusche. Im Restaurant lässt sich der Winkel des eingebauten Richtmikrofons so verändern, dass die Gegenübersitzenden optimal verstanden werden. Und im Kino wird per Induktionsspule der Film-Ton direkt an das Hörgerät übertragen.

Technische und soziale Kompetenzen gefragt

Das größte Problem der Hörakustik-Branche ist momentan der Mangel an gut ausgebildeten Hörakustikern. „Der Beruf des Hörakustikers galt lange Zeit einfach nicht als hip“, erklärt Arne Israel.

Die aktuelle Hörgerätegeneration bringe jedoch so manchen Technikbegeisterten dazu, das Berufsbild Hörakustiker in Betracht zu ziehen. „Besonders gefragt sind Menschen, die über eine ausgeprägte soziale Ader verfügen“, erläutert Israel. Denn Hörakustikerinnen und Hörakustiker arbeiten praktisch ständig mit Menschen, die zudem über gesundheitliche Einschränkungen verfügen.

Mit der Fachausbildung Hörakustik bietet das WIFI Tirol eine Ausbildung zum Hörakustiker auf dem zweiten Bildungsweg an. Mit vier Modulen zu je zwei Wochen ist die Ausbildung so konzipiert, dass sie berufsbegleitend absolviert werden kann. Zu Ende der Kurse legen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Lehrabschlussprüfung ab.

Darüber hinaus bietet die Akademie Meister- und Repetitionskurse an. Nach der Meisterprüfung, sozusagen als höchste Stufe, kann man sich zum Pädakustiker fortbilden. „Die WIFI-Hörakustik-Akademie bietet Aus- und Weiterbildungen auf höchstem Niveau. Das hat sich herumgesprochen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen nicht nur aus Österreich, sondern auch aus der Schweiz, Deutschland und Italien“, berichtet Lehrgangsleiter Arne Israel.

Mehr Lebensqualität mit Hörgerät

Das Aufgabenfeld von Hörakustikern ist ausgesprochen breit. Sie stellen fest, wie es um das Hörvermögen ihrer Kundinnen und Kunden bestellt ist. Liegt eine Beeinträchtigung desselben vor, ermitteln sie anhand akustischer Kenndaten, wie dieser bestmöglich begegnet werden kann. Zu ihren Aufgaben gehört außerdem die Beratung, das Anfertigen von Ohrabdrücken und das Bearbeiten von Hörgerät-Rohlingen.

Hörgeräteakustikerinnen und -akustiker sind nicht nur für das Anpassen von Hörhilfen zuständig. Sie erklären ihren Kundinnen und Kunden, wie die Hörgeräte zu verwenden sind und helfen bei Problemen. „Die Unterweisung ist ein besonders wichtiger Punkt“, unterstreicht Arne Israel, „denn Gehirn und Gehör benötigen Zeit, sich an das Hören mit Hörgerät zu gewöhnen.“ Dazu sind mehrere Wochen bis wenige Monate vonnöten.

Der Aufwand lohnt sich jedoch, denn Hören bedeutet Lebensqualität. „Menschen, die schlecht hören, ziehen sich oft zurück. Je weiter ihre Hörbeeinträchtigung fortschreitet, desto isolierter werden sie“, erklärt Arne Israel. Hörgeräte sollten deshalb so früh wie nötig zum Einsatz kommen. Das bremst den Verlauf der Schwerhörigkeit und hilft dem Gehör, sozusagen im Training zu bleiben