Im Interview erläutert Leadership-Expertin Mag. Brigitte Stampfer aktuelle Führungs-Trends. Sie klärt, warum agile Methoden MitarbeiterInnen motivieren und Unternehmen wettbewerbsfähiger machen können.

Frau Stampfer, wodurch zeichnen sich erfolgreiche Führungskräfte aus?

Früher hätte man gesagt, dass sie gemeinsam mit ihrem Team festgelegte Ziele erreichen. Um auf rasche Veränderungen am Markt – z.B. die Corona-Krise – flexibel reagieren zu können, ist das aber zu wenig.

Heute ist eine Führungskraft nur dann erfolgreich, wenn sie ihr Team empowern kann. Das bedeutet, dass sie ihre MitarbeiterInnen dabei unterstützt, selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Das erhöht ihre Flexibilität und Innovationskraft, aber auch die Eigenmotivation und damit längerfristige Bindung der MitarbeiterInnen ans Unternehmen.

Kommunikationsstärke, Bereitschaft zur Veränderung und wertschätzende Grundhaltung sind unerlässlich.

Gibt es Eigenschaften, die für Führungskräfte absolut unerlässlich sind?

Aktuelle Metastudien nennen folgende Fähigkeiten: Kommunikationsstärke, die Bereitschaft zur Veränderung und eine wertschätzende Grundhaltung gegenüber den MitarbeiterInnen.

Wirksame Führungskräfte können konstruktiv Feedback geben und auch selbst annehmen. Sie unterstützen ihre MitarbeiterInnen in ihrer Weiterentwicklung. Und sie verfügen nicht nur über Fach-, sondern auch über Sozial-, Persönlichkeits- und Methoden-Kompetenz.

Klassische und agile Führung machen Sinn

Wodurch unterscheiden sich klassische und agile Führungsansätze?

Klassische Managementansätze gehen davon aus, dass Ziele planbar und eine relativ fixe Größe sind. Das ist in vielen Bereichen bis zu einem gewissen Grad möglich. Hier macht nach wie vor der Einsatz von ausgewählten klassischen Führungsmethoden Sinn.

Bei Krisen kann sich das schnell ändern. Der Corona-Virus und ein daraus verändertes Kaufverhalten oder auch ein neuer Mitbewerber können in kürzester Zeit geplante Ziele unrealistisch machen. Bei agilen Führungsansätzen sorgt man dafür, dass man schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren kann.

Können Sie uns einige agile Ansätze nennen und wann machen sie Sinn?

Grundsätzlich brauchen dazu alle Beteiligten ein agiles Mindset: Also z.B. die Einstellung, dass man MitarbeiterInnen ermöglicht, selbstorganisiert zu arbeiten, um rasch agieren und reagieren zu können. Das wird u.a. durch die Methoden „Scrum“ oder „Kanban“ unterstützt. Diese entlasten die Führungskraft und schaffen ihr wertvolle Zeit für strategische Themen und die Förderung der MitarbeiterInnen.

Dort, wo Flexibilität und Beweglichkeit gefordert sind, werden deshalb agile Ansätze gewählt. In Bereichen, die gut planbar sind und die gleichbleibende Abläufe beinhalten, machen oft klassische Ansätze Sinn.

MitarbeiterInnen müssen ermächtigt werden, selbstorganisiert zu arbeiten.

Kann man Führung eigentlich lernen?

Jede Führungskraft macht eine Entwicklung durch vom oftmals verunsicherten Anfänger bis zu einem wirksamen Leader, der eine natürliche Autorität und Vorbildwirkung hat. Erfahrung, Selbstreflexion, aber vor allem auch viel Know-how und Know-why, unterstützen diesen Prozess. Deshalb kann man je nach Ausgangssituation die eigene Wirksamkeit durch ein Coaching oder Training verbessern.

Im WIFI gibt es dazu je nach Bedarf kompakte 2-Tages-Workshops oder ausführliche Führungskompetenz- und Leadership-Lehrgänge. Übrigens ist es auch möglich, maßgeschneiderte Firmentrainings direkt im Betrieb abzuhalten.

Mag. Brigitte Stampfer war selbst viele Jahre als Führungskraft tätig. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt sie als selbständige Business-Trainerin, Coachin und Unternehmensberaterin Unternehmen bei der Ausbildung und Entwicklung ihrer Führungskräfte.