Seit einem knappen Jahr bereichert das Café Namsa in der Höttinger Au das gastronomische Angebot Innsbrucks. Die Inhaberin Michaela Wohlfahrt bildet dort Fachkräfte für die Gastronomie aus und integriert gleichzeitig anerkannte Flüchtlinge.

„Sehr gemütliches und schönes Lokal“, „Der Service ist überdurchschnittlich gut, persönlich und außergewöhnlich“, „Man fühlt sich richtig willkommen“ und „Perfekt für die Entschleunigung“ sind nur einige der durchwegs sehr guten Bewertungen, über die sich das Café Namsa in der Innsbrucker Amberggasse freuen darf. „Namsa“ ist angelehnt an das arabische Wort für „Österreich“. Es ist kein normaler Gastronomiebetrieb, sondern ein sogenanntes Social Business, erklären die Gründerinnen Michaela und Julia Wohlfahrt.

Das Café Namsa bietet jeweils drei anerkannten Flüchtlingen die Möglichkeit, eine gastronomische Ausbildung zu absolvieren. „Wir schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagt Julia Wohlfahrt, „erstens unterstützen wir Geflüchteten mit positivem Asylbescheid dabei, sich zu integrieren und selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Und zweitens schulen wir intensiv Mitarbeiter/innen für die Tiroler Gastronomie.“

Lehrgang F-&-B-Management als Sprungbrett

Die Idee zu ihrem Social Business kam Michaela Wohlfahrt nach ihrem Wirtschaftsstudiums an der Universität Innsbruck, als sie sich neben ihrem Job ehrenamtlich in einem Flüchtlingsheim engagierte. 2016 beschloss sie, diese zu konkretisieren und in ein tragfähiges Konzept zu gießen. Neben zahlreichen Weiterbildungen meldete sie sich auch für den Diplomlehrgang Food-&-Beverage-Management am WIFI Tirol an.

 

Im Lehrgang vertiefte Michaela Wohlfahrt die nötigen Kompetenzen, um ihren Gastronomiebetrieb erfolgreich zu führen. Sie erweiterte ihr betriebswirtschaftliches Praxiswissen und arbeitete sich intensiv in Kalkulation, Preispolitik, Steuerrecht und Controlling ein. Außerdem vertiefte sie ihr Praxiswissen in punkto Arbeitsabläufe, Küchentechnik und Gastro-Trends. Michaela Wohlfahrt schätzte besonders den Austausch mit den anderen Teilnehmenden am Diplomlehrgang F-&-B-Management: „Das Grobkonzept zum Café Namsa stand zwar schon vor dem Lehrgang fest. Aber im Gespräch mit den Vortragenden, Kolleginnen und Kollegen konnte ich die Idee beständig weiterentwickeln und konkretisieren.“

Gastro-Ausbildung für künftige Fachkräfte

Im Café Namsa sind jeweils drei anerkannte Flüchtlinge für 30 Stunden über einen Zeitraum von neun Monaten angestellt. In dieser Zeit erwerben sie nicht nur eine gastronomische Ausbildung. „Viele kämpfen zu Beginn ihrer Zeit bei uns auch mit mangelnden Sprachkenntnissen. Zudem sind sie mit den kulturellen Eigenheiten Österreichs noch nicht vertraut“, erzählt Michaela Wohlfahrt. Der tägliche Kontakt mit den Gästen helfe, diese Hürden abzubauen. Wenn die Mitarbeiter nach neun Monaten das Café Namsa verlassen, sind sie als kompetente und überdurchschnittlich motivierte Fachkräfte mit guten Deutschkenntnissen überall in der Gastronomie hervorragend einsetzbar. Betriebe, die auf der Suche nach Mitarbeiterinnen sind oder ein ähnliches Konzept umsetzen möchten, können sich jederzeit an das Café Namsa wenden.

„Gastfreundschaft und soziale Kontakte zählen auf der ganzen Welt. Im Café Namsa leben wir diese Werte und fördern den kulturellen Austausch bei Kaffee, Kuchen und besonderen Speisen“, erläutert Michaela Wohlfahrt. Das Konzept kommt an: Im ersten Jahr seines Bestehens hat sich das Café zahlreiche Stammgäste erarbeitet. Auch wirtschaftlich läuft es inzwischen fast von selbst.