Eine Bildungsmaßnahme des AMS hat es möglich gemacht: Eine Ausbildung und Jobs für Flüchtlinge. Die Kooperation zwischen der Sparte Tourismus der Wirtschaftskammer Tirol, dem AMS und dem WIFI schult Asylberechtigte im Schnellverfahren in Sprache und Handwerk, um den Teilnehmern den langersehnten Job zu geben und den Tiroler Gastronomie- und Hotelleriebetrieben dringend benötigte Arbeitskräfte zu stellen.

In Somalia haben immer die Frauen, Schwestern oder Mütter gekocht.

Adan

26 Jahre, aus Somalia

In der Lehrküche des WIFI hängt der Geruch von Bratenfett in der Luft. Am letzten Tag des Trainingsprogramms, das Flüchtlinge zu Küchenhilfen ausbildet, wird groß aufgekocht. Adan trägt zwei leere Teller zu seinem Platz. „In Somalia haben immer die Frauen, Schwestern oder Mütter gekocht“, erklärt der 26-Jährige. Nun steht er in Österreich selbst vor dem Herd, um Arbeit zu finden. Schana kommt aus Tschetschenien. Auch sie brauche einen Beruf. Die Ausbildung, die sie in ihrer Heimat gemacht habe, gelte hier nicht. Ihr großes Ziel: Nach dem Kurs will sie die Lehrabschlussprüfung nachmachen und in einer Konditorei arbeiten.

In zwei Monaten zur Küchenhilfe

Die zweigeteilte Ausbildung besteht aus einem berufsspezifischen Sprach– und einem Kochkurs. Küchentrainer Julian Reinisch stellt im Kochkurs die wichtigsten Arbeitsbereiche einer Hilfskraft in Hotels oder Restaurants in den Vordergrund. So wurde ein Tag dem Frühstück – von Palatschinken braten bis zum Brot backen –, ein anderer dem Salatbuffet gewidmet. Nach dem Kurs könne nach genügend Praxis in einem Betrieb sogar die Lehrabschlussprüfung Koch nachgeholt werden.

Jedes Stück, das zubereitet wird, wird gegessen oder mit nach Hause genommen. Nichts landet im Müll.

Julian Reinisch

Küchenmeister

Kulinarische und kulturelle Unterschiede

„Ich bin vom ersten Tag an positiv überrascht“, freut sich Küchenmeister Reinisch über seine Auszubildenden. Alle hätten ein gutes Gespür für Hygiene, Salz und Pfeffer, drei wesentliche Dinge in der Küche. Die Wertigkeit der Lebensmittel sei für die Kursteilnehmer eine andere: „Jedes Stück, das zubereitet wird, wird gegessen oder mit nach Hause genommen. Nichts landet im Müll.“ Unter den Teilnehmern zeigte sich schon am ersten Tag, dass Geschmäcker und Essensgewohnheiten so verschieden sind wie die Menschen selbst. „Der Iraner mag scharfes Essen gerne, während es der Pakistani überhaupt nicht mag“, erklärt Reinisch schmunzelnd. Dass in Afrika auch manchmal ein Affe auf dem Tisch lande, fänden andere Teilnehmer wiederum eigenartig.

Von der Idee zur Umsetzung

Das Trainingsprogramm soll die Teilnehmer langfristig auch wirklich in den Arbeitsmarkt integrieren. Daher hängt die Zukunft der Kooperation vom Ausgang des Pilotprojektes ab. „Von Erfolg würde ich sprechen, wenn wir sie alle untergebracht haben und sie nach einem halben Jahr auch noch ihren Job haben“, meint Norbert Schöpf, Bildungsmanager des WIFI Tirol. Die Küchentrainer versuchen am Ende des Kurses, die Teilnehmer an Betriebe zu vermitteln. Die Nachfrage in Tiroler Betrieben ist groß.