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Konflikte gehören zum Arbeitsalltag – entscheidend ist, wie professionell mit ihnen umgegangen wird. Der Mediationslehrgang unter Leitung von Verena Kronthaler vermittelt fundierte Methoden, um Konflikte in Unternehmen strukturiert zu begleiten, Gespräche wieder in Bewegung zu bringen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Die berufsbegleitende Ausbildung richtet sich an Führungskräfte, Berater:innen, Personalverantwortliche und alle, die ihre Konflikt- und Mediationskompetenz erweitern möchten.
Ein Mitarbeiter hat innerlich bereits gekündigt, weil ein Konflikt mit der Führungskraft seit Monaten ungelöst bleibt. Gesellschafter:innen blockieren sich gegenseitig, obwohl beide das Unternehmen voranbringen wollen. Ein Team hat aufgehört, offen zu reden.
Häufig liegt der Kern von Konflikten nicht allein im Sachthema, sondern in festgefahrenen Gesprächen, ungeklärten Interessen oder verloren gegangenem Vertrauen. Die entscheidende Frage ist: Wer begleitet diese Situationen so, dass wirklich etwas in Bewegung kommt?
Genau hier setzt Wirtschaftsmediation an. Sie bietet einen freiwilligen, vertraulichen und strukturierten Rahmen, um Konflikte professionell zu bearbeiten. Eine neutrale Mediation unterstützt die Beteiligten dabei, Sichtweisen und Interessen zu klären, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und eigenverantwortlich tragfähige Vereinbarungen zu entwickeln. Gerade in Unternehmen und Organisationen gewinnt die Mediation zunehmend an Bedeutung.
Für eine gute Lösung müssen die am Konflikt Beteiligten nicht dieselbe Sicht auf die Vergangenheit haben. Entscheidend ist, ob sie wieder Verantwortung für die gemeinsame Zukunft übernehmen können und wollen.
Warum Wirtschaftsmediation immer wichtiger wird
Konflikte müssen rechtzeitig und professionell bearbeitet werden. Ungeklärte Spannungen können die Zusammenarbeit belasten, Entscheidungen verzögern, Veränderungsprozesse erschweren und hohe Kosten verursachen.
Typische Einsatzbereiche der Wirtschaftsmediation sind:
- Konflikte in gesellschaftlichen Partnerschaften
- Spannungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden
- Konflikte innerhalb oder zwischen Teams und Abteilungen
- Streitigkeiten in Vertrags- und Kooperationsbeziehungen
- Konflikte im Rahmen von Veränderungs- und Entwicklungsprozessen
Wer Konflikte professionell begleiten kann, schafft Mehrwert – für Einzelpersonen, Teams und ganze Organisationen.
Was Sie im Mediationslehrgang lernen
Der Mediationslehrgang mit Schwerpunkt Wirtschaftsmediation vermittelt fachliche, methodische und persönliche Kompetenzen für die professionelle Konfliktbegleitung, insbesondere in Unternehmen und Organisationen.
Sie lernen die Kompetenzen, die Sie für eine professionelle Tätigkeit als Mediatorin bzw. Mediator im wirtschaftlichen und organisationalen Umfeld benötigen.
Nach Abschluss des Lehrgangs sind Sie unter anderem in der Lage:
- Mediationsverfahren klar vorzubereiten und strukturiert sowie selbstständig durchzuführen
- Konfliktdynamiken zu erkennen und zu bearbeiten
- Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten herauszuarbeiten
- Gespräche auch in festgefahrenen Situationen sicher zu moderieren
- Lösungsorientierte, systemische und verhandlungsorientierte Methoden gezielt einzusetzen
- Ihr bestehendes Tätigkeitsfeld, um professionelle Konfliktbegleitung und Mediationskompetenz zu erweitern
Die Ausbildung verbindet theoretische Grundlagen mit intensiver Praxisarbeit, Fallbeispielen, Übungen und Supervision.
Für wen eignet sich die Ausbildung besonders?
Der Lehrgang richtet sich insbesondere an:
- Führungskräfte und Personalverantwortliche
- Personen mit unternehmerischer Verantwortung
- Projektverantwortliche und Personen mit Schnittstellenfunktion
- Fachpersonen aus Beratung, Coaching, Training und Recht
- Menschen, die sich beruflich im Bereich Mediation neu positionieren möchten
Kurz gesagt: an alle, die in ihrem beruflichen Alltag mit unterschiedlichen Interessen, komplexen Beziehungen und konflikthaften Situationen konfrontiert sind und diese künftig klar, strukturiert und lösungsorientiert begleiten möchten.
Der Lehrgang richtet sich auch an Menschen, die ihre persönliche Konfliktkompetenz weiterentwickeln und Konflikten künftig mit mehr Klarheit, Struktur und Sicherheit begegnen möchten.
Konfliktfreiheit sollte nicht das oberste Ziel sein, sondern ein fairer und klarer Umgang mit Spannungen.
Ausbildung Mediation am WIFI Tirol
Der berufsbegleitende Mediationslehrgang entspricht den Anforderungen der Zivilrechts-Mediations-Ausbildungsverordnung und verbindet fundierte Theorie mit anwendungsorientierter Praxis.
Zu den Inhalten zählen unter anderem:
- Kommunikations- und Verhandlungsführung
- Konfliktbearbeitung
- Wirtschaftsmediation
- rechtliche Grundlagen sowie
- intensive Fall- und Praxistrainings.
Nach erfolgreichem Abschluss besteht die Möglichkeit zur Eintragung in die Liste der eingetragenen Mediator:innen beim Bundesministerium für Justiz.
Wer Mediatorin oder Mediator werden möchte, erhält damit eine fundierte Ausbildung und neue berufliche Perspektiven in Beratung, Führung, Personalentwicklung und Konfliktmanagement.
Kostenloser Einführungsworkshop:
Sie möchten einen ersten Einblick in das Thema Mediation und Konfliktbewältigung bekommen? Dann besuchen Sie unseren kostenlosen Einführungsworkshop!
Lehrgangsleiterin Verena Kronthaler im Interview:
Verena Kronthaler, Lehrgangsleiterin des Mediationslehrgangs mit Schwerpunkt Wirtschaftsmediation, begleitet Unternehmen und Führungskräfte bei Fragen rund um Kommunikation, Zusammenarbeit und Konfliktklärung.
Als Mediatorin, Juristin, Unternehmensberaterin und Trainerin verbindet sie wirtschaftliches Verständnis mit einem fundierten Blick auf die Dynamiken in Organisationen und kann ihren Kursteilnehmenden genau jenes Wissen vermitteln, das es für wirksames Konfliktmanagement braucht.
Besonders häufig begegnen mir unausgesprochene Unstimmigkeiten an Schnittstellen - etwa bei unklaren Verantwortungsbereichen oder Rollen, konkurrierenden Prioritäten oder falschen Erwartungshaltungen. Im Grunde schafft jedoch jede ungeklärte Thematik einen idealen Nährboden für Konflikte. Sie treten zwischen Bereichen oder Abteilungen, zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden sowie innerhalb von Teams auf. Neu ist das nicht – verändert hat sich vor allem die Dynamik. Unter dem stetig steigenden Zeit- und Veränderungsdruck werden Konflikte schnell komplex. Gleichzeitig bleiben sie oft länger unter der Oberfläche und spitzen sich dadurch unbemerkt weiter zu.
Konflikte gab es schon immer – verändert hat sich vor allem der Umgang mit ihnen. Deshalb wirken sie heute präsenter. Gegenwärtig treffen sehr unterschiedliche Arbeitsstile, Ansprüche an Flexibilität und Teilhabe sowie verschiedene Kommunikationsgewohnheiten aufeinander. Zudem ist es in einer postpandemischen Arbeitsrealität oft leichter möglich, Konflikten kurzfristig auszuweichen und sie dadurch mit geringerem Leidensdruck über einen längeren Zeitraum ungelöst zu lassen. Hybride Arbeit verringert außerdem informelle Klärungsmöglichkeiten: Was früher in einem kurzen Gespräch besprochen wurde, wird heute leichter vertagt – bis zu dem sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Ungelöste Konflikte binden Zeit, Aufmerksamkeit und Energie. Dementsprechend ist ihr Einfluss auf den Arbeitsalltag enorm. Entscheidungen verzögern sich, Abstimmungen werden aufwendiger und Zusammenarbeit wird mühsamer – um nur einige Auswirkungen zu nennen. Konfliktfreiheit sollte dennoch nicht das oberste Ziel sein, sondern ein fairer und klarer Umgang mit Spannungen. Für die Mitarbeiterbindung ist weniger entscheidend, ob Konflikte entstehen, sondern ob die Mitarbeitenden erleben, dass diese respektvoll und wirksam bearbeitet werden. Eine konstruktive Konfliktkultur stärkt das Vertrauen in die Führung und erhöht deren Glaubwürdigkeit.
Ein sehr häufiges Frühwarnzeichen ist ungewöhnliche Stille. Weitere Hinweise sind wiederkehrende Diskussionen ohne Ergebnis, auffälliger Rückzug oder Gleichgültigkeit. Aber auch ein schärfer werdender E-Mail-Ton, die Bildung von Lagern, Sarkasmus oder Umwege über Dritte sind ernst zu nehmende Warnsignale. Ein klares Alarmsignal liegt vor, wenn sich der Fokus von der Sachebene auf persönliche Zuschreibungen verlagert. Spätestens dann braucht es eine Klärung.
Mediation ist ein strukturiertes und vertrauliches Verfahren, in dem die Beteiligten mit Unterstützung einer neutralen und allparteilichen Person eigene Lösungen entwickeln. Führungskräfte oder Personalverantwortliche richten ihren Fokus verständlicherweise auch auf Produktivität, Zielerreichung, Kosteneffizienz und rechtliche Rahmenbedingungen. Diese Verantwortlichkeiten können eine neutrale und ergebnisoffene Auseinandersetzung mit einem Konflikt erschweren. Mediation kann bestehende innerbetriebliche Abläufe daher sinnvoll ergänzen, wenn ein geschützter Raum für eine direkte Klärung zwischen den Beteiligten erforderlich ist.
Am Anfang steht immer eine sorgfältige Auftragsklärung: Worum geht es, wer ist beteiligt und was soll sich durch die Mediation verbessern? Häufig folgen zunächst Einzelgespräche, bevor alle Beteiligten gemeinsam an einen Tisch kommen. In der Mediation arbeiten wir viel mit aktivem Zuhören, präzisen Fragen, Reframing, Perspektivenwechsel und dem Übersetzen von Vorwürfen in die dahinterliegenden Beweggründe. Aus „Du hörst mir nie zu!“ kann beispielsweise die Frage werden: „Was brauche ich, damit ich mich in Entscheidungen ausreichend einbezogen fühle?“
Für eine gute Lösung müssen die am Konflikt Beteiligten nicht dieselbe Sicht auf die Vergangenheit haben. Entscheidend ist, ob sie wieder Verantwortung für die gemeinsame Zukunft übernehmen können und wollen. Führungskräften ist zu empfehlen, Spannungen frühzeitig anzusprechen, sie nicht vorschnell zu bewerten und Gespräche zu ermöglichen, in denen unterschiedliche Perspektiven respektvoll nebeneinanderstehen dürfen. Wenn Führungskräfte darauf hoffen, dass sich Spannungen von selbst lösen, ist das meist bereits ein Indikator dafür, dass Handlungsbedarf besteht. Genau dann sollte der erste Schritt gesetzt und das Gespräch mit den Beteiligten gesucht werden. Eine gute Einstiegsfrage lautet: „Was brauchen wir, damit die gemeinsame Zusammenarbeit wieder gut möglich wird?“
Wo Konflikte professionell geklärt werden, entsteht nicht nur eine Lösung – es entsteht neues Vertrauen.
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Beitragsbild: © Photographee.eu - stock.adobe.com
Foto Verena Kronthaler: ©Privat
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