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Nur ein Bruchteil der KI-Projekte schafft den Sprung in den Regelbetrieb. KI-Pionierin Sabine Singer erklärt, warum das fast nie an der Technologie liegt — und weshalb die wichtigste KI-Investition selten das nächste Tool ist. In der KI-Akademie am WIFI Tirol gibt sie ihr Wissen weiter.
Ein Text mit ChatGPT, eine automatisch zusammengefasste Besprechung, endlich schnell die passende Excel-Formel: Künstliche Intelligenz gehört längst zum Arbeitsalltag. Der Sprung von der persönlichen Arbeitserleichterung zum messbaren Nutzen für das Unternehmen gelingt allerdings selten.
Eine Gartner-Umfrage unter 782 IT-Führungskräften vom April 2026 zeigt: 72 Prozent der KI-Projekte scheitern oder liefern nicht, was versprochen wurde. Die MIT-Studie „The GenAI Divide“ kam bereits 2025 zum Ergebnis, dass nur fünf Prozent der KI-Initiativen einen messbaren Effekt auf das Geschäftsergebnis erzielen. Sabine Singer nennt den Rest beim Namen: „lost capital“.
Die Unternehmerin hat mit der Sophisticated Simplicity GmbH Österreichs erste Business-Agentur für AI Ethics by Design aufgebaut. Am WIFI Tirol unterrichtet sie die großen Lehrgänge der KI-Akademie. Ihre Antwort auf die Frage nach dem richtigen Tool fällt kurz aus: Die Frage ist falsch gestellt.
Erst die Daten, dann die Technik
Häufig beobachtet Singer einen Denkfehler: Technology first statt Value first. „Der beste, intelligenteste Mitarbeiter — egal ob Maschine oder Mensch — kann nur gute Leistungen erbringen, wenn die Datenbasis stimmt.“
Die größte Hürde liegt für Singer also nicht in der Auswahl des Tools, sondern in den eigenen Datenbeständen. „Aus unseren Datenbergen die wirklich wesentlichen und zukunftsweisenden Geschäftsinformationen herauszufiltern und maschinenlesbar aufzubereiten — das ist für alle Unternehmen die größte Hürde“, sagt sie.
KI wird in allen gesellschaftlichen Bereichen und natürlich auch in unseren Unternehmen Einzug halten. Wer darauf nicht vorbereitet ist, riskiert, dass sein Geschäftsmodell bald obsolet wird.
KI-Kompetenz beginnt mit Neugier
„KI-Kompetenz beginnt mit mutiger Neugier“, sagt Singer. Dazu müsse man sich mit der Frage auseinandersetzen: Was nützt mir das konkret in meinem Arbeitsalltag?
Hinzu kommt der Umgang mit Sprache: Generative KI ist eine praktisch unerschöpfliche Wissensdatenbank. Um daraus Lösungen zu bekommen, die zu den Zielen und Werten des Unternehmens passen, braucht es im Grunde „nur“ die Kunst des klaren Beschreibens: das eigene Problem, der Kontext, das Ziel — und der gewünschte Weg dorthin.
Zur Kompetenz gehört für Singer auch, die Kehrseite zu kennen. „Wenn ein Modell gut coden kann, kann es genauso gut hacken. Was es mit diesen Fähigkeiten tut, liegt in unserer Entscheidung“, so die KI-Expertin „Jedes KI-Projekt hat das Potenzial, messbaren Mehrwert für das Geschäftsmodell zu erwirtschaften — oder als teurer Fehlversuch eingestampft zu werden. Die Entscheidung liegt im Projektdesign. Also bei Ihnen.“
Der Wert von Technologie entsteht im Business, nicht in der IT
Vorbereitet sein ist dabei keine Frage der Branche. „KI wird in allen gesellschaftlichen Bereichen und natürlich auch in unseren Unternehmen Einzug halten. Wer darauf nicht vorbereitet ist, riskiert, dass sein Geschäftsmodell bald obsolet wird“, sagt Singer.
Am Willen der Mitarbeitenden liegt es jedenfalls nicht. „Menschen wollen KI nutzen“, sagt Singer. „Sie wollen nur keine Anwendungen nutzen, die an ihrem Bedarf vorbeigehen.“
Ihre Empfehlung: Ein Co-Creation-Ansatz von Anfang an. „Den Wert von Technologie finden wir im Business, nicht in der IT. Piloten, die an Mitarbeitenden vorbei entwickelt werden, sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt.“ Konkret heißt das: ein möglichst crossfunktionales KI-Kernteam bilden und Projektideen dort entwickeln, wo der Umsatz passiert. „Technik muss der Werterwartung folgen, nicht umgekehrt.“
Werte als Design-Feature
„Neue Technologien erfordern neues Denken und neue Methoden“, sagt Singer, die dahingehend mit dem praxiserprobten ADA AI Ethics by Design Framework arbeitet. In ihren Trainings entwickeln die Teilnehmenden damit ihr erstes strukturiertes, wertorientiertes KI-Projekt. „So entsteht kein klassisches minimal funktionsfähiges Produkt, sondern von Anfang an ein maximal wertebasiertes Projekt – eines, das auch auf Akzeptanz bei den Mitarbeitenden zählen kann.“ Ihr Fazit: „Compliance und messbarer Mehrwert werden so zum Design-Feature, nicht zum Risiko.“
Klein anfangen — aber richtig
Was macht ein KI-Projekt erfolgreich? „Fangen Sie klein an“, sagt Singer. „Lieber ein kleines Projekt mit fünf bis zehn Datenquellen in perfekter Qualität, das täglich Mehrwert stiftet, als ein allgemeiner KI-Co-Pilot, der aus tausenden Terabyte am SharePoint valide Informationen finden soll.“
Der Aufwand liegt dabei nicht dort, wo ihn die meisten vermuten. „80 Prozent der Investition in ein KI-Projekt sind das Herstellen von Datenqualität und laufende iterative Entwicklungsschleifen in kleinen Schritten.“ Wer das überspringt, zahlt doppelt: „Sonst wird KI schnell zur Kosten- und Reputationsfalle statt zum geschätzten, sinnstiftenden Werkzeug.“
Zwei Rollen, zwei Ausbildungen
Singer unterrichtet die großen Lehrgänge der KI-Akademie am WIFI Tirol:
Der Zertifizierte KI-Beauftragte ist der Basiskurs für Allrounder — für jene, die an der Schwelle zwischen Umsetzungskompetenz, Projektentwicklung und operativer Governance stehen.
Der Diplomlehrgang Chief AI Officer adressiert eine neue Führungsrolle in der Geschäftsleitung. Ein CAIO verantwortet das reibungslose Zusammenspiel einer Vielzahl von KI-Projekten im Haus, und strukturiert Umsetzung, Kompetenzaufbau und Governance. Vor allem aber verantwortet er die Entwicklung einer nachhaltigen KI-Strategie — „die bald zum Fundament einer zukunftssicheren Geschäftsentwicklung werden wird“.
Pflicht und Kür
„KI-Kompetenz ist Pflicht, KI-Exzellenz ist die Kür“, fasst Singer zusammen. KI sei kein Hype und gehe auch nicht mehr weg. „Ein bewusster und wertebasierter Umgang mit KI wird im Business bald die Spreu vom Weizen trennen. Wer heute in sich und seine Mitarbeiter investiert, sichert sich den Geschäftserfolg von morgen.“
Und weil Technologie für Singer nie nur eine technische Frage ist, steht am Ende ihr Leitsatz: „Wertebasierte KI erfordert den Mut, Technologie mit der Weisheit des Herzens zu kombinieren.“
Sie wollen endlich erfolgreich wertebasierte KI-Projekte in Ihrem Unternehmen umsetzen?
Dann braucht es kompetente Mitarbeiter:innen, die praxisnah und am Puls der Zeit ausgebildet sind. Entdecken Sie unser Aus- und Weiterbildungsangebot und lernen Sie von KI-Pionierin Sabine Singer!
Die Ausbildung zur/zum KI-Beauftragten richtet sich an Mitarbeiter:innen und Verantwortliche, die im Unternehmen als zentrale Ansprechpersonen für den sicheren, rechtskonformen und verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz agieren möchten.
Die Ausbildung zum Chief AI Officer richtet sich an Führungskräfte, Entscheider:innen und KI-Verantwortliche, die Künstliche Intelligenz strategisch und verantwortungsvoll im Unternehmen einsetzen und weiterentwickeln möchten:
Beitragsbild: © DC Studio - stock.adobe.com
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